Long Live the Queen

Erscheinungsdatum: 2012

Entwickler: Hanako Games

Genre: Rollenspiel

Spieldauer: 8 Stunden


And may her reign never end (for too long)

Jetzt kommt ein Spiel, von dem ich wohl selbst nie geglaubt hätte, dass ich es spielen würde: Long Live the Queen. Ein Visualnovel im Mangastyle, das von der jungen Prinzessin Elodie handelt, die sich nach dem Tod ihrer Mutter auf ihre Regentschaft vorbereitet. So weit, so belanglos. Warum hatte ich diesen Schrott also plötzlich auf meinem Steam-Account? Schuld war ein guter Freund, der mich herausforderte, „es doch mal zu spielen und zu schauen, wie weit ich kommen würde.“ „Ein Rollenspiel für Mädchen“, dachte ich mir und war der Auffassung, in ein paar Minuten damit fertig zu sein.

Der Skilltree, der sich in die Bereiche „Sozial“, „Physisch“, „Intellektuell“ und „Mystik“ unterteilt, ist unnötig komplex, und nicht jede Fähigkeit ist wirklich nützlich

Tag 1: Wie es begann

Mein erster Death-Screen

Ich startete das Spiel und wurde fast erschlagen mit Kategorien, die ich trainieren konnte. Wie in einem Pen-and-Paper-Fähigkeitenbaum konnte ich jeden nützlichen und, wie ich fand, unnützen Mist erlernen. Was sollte mir „Composure“ (Beherrschung) bringen. Oder „Accounting“ (Rechnungswesen)? Ich entschied mich also für einen Mix aus physischen und intellektuellen Skills und klickte mich halb belustigt, halb gelangweilt durchs Abenteuer. Immer wieder kamen Entscheidungen, bei denen ich nur raten konnte, was das Spiel von mir wollte. Und ich freute mich jedes Mal, wenn ich meine gesteigerten Fähigkeiten einsetzen konnte. Natürlich nur als Handlungsoption in Textfenstern, selber gespielt wurde ja nicht. Visualnovel-typisch folgte eine Konversation der nächsten, unterbrochen nur von den Tagesplanungen, bei denen ich mir aussuchen konnte, welche Talente ich steigern wollte.

Irgendwann wurde dann die Kutsche, mit der Elodie auf dem Weg zum Prinzen eines benachbarten Königreichs war, um eine vielversprechende Allianz zu schmieden, von Banditen überfallen. Dabei traf sie ein Pfeil in die Schulter. Was jetzt? Hätte sie Medizin oder Bogenschießen gelernt, wüsste die angehende Königin, was sie mit dem Pfeil am besten nicht tun sollte. Hatte sie aber nicht, weil ich es ja als nutzlos betrachtete. Was macht Madame also? Schiebt den Pfeil weiter in den Körper, damit er auf der anderen Seite wieder rauskommt – klingt doch logisch. Dieses fragliche Manöver wurde dann mit dem Game-Over-Screen quittiert. Ernsthaft? Ich habe verloren? In diesem Kackspiel?

Unterschiedliche Outfits geben uns Boni beim Steigern von Fähigkeiten

Tag 2: Wie es endete

Nächster Versuch, dieses Mal etwas breiter gelevelt. Jetzt fehlte mir die Spezialisierung, um den Hofstaat von meiner königlichen Autorität zu überzeugen. Ich wurde abgesetzt und eingekerkert: Game Over. Alter! Nächster Versuch. „Geil, mit Magie kann man ziemlich coole Sachen machen, und die Laune von Elodie beeinflusst, was sie besonders effektiv trainieren kann.“ Wieder was gelernt. Wieder gescheitert. Neustart.

Das Spiel ist ein Visualnovel, wer keine Textfelder mag, wird hier keinen Spaß haben. Eine Vertonung gibt’s übrigens auch nicht.

Am Ende waren es, glaube ich, zwei Tage, die ich mit dem Spiel gerungen habe, bis ich endlich das wohl verdiente „Long Live the Queen“ am Ende gesehen habe. Und das auch nur, weil ich herausfand, dass man das Spiel auch speichern kann. Blöd von mir, aber wer rechnet denn damit, dass man das Feature wirklich würde nutzen müssen?

Der Soundtrack stammt von Kannazuki – Vorname, Nachname? Egal, klingt super!

Was mich neben dem Wunsch, meinem Kollegen meinen Sieg unter die Nase reiben zu können, motivierte, war der fantastische Soundtrack. Der besteht zwar nur aus teils sehr kurzen Klavierstücken, aber die sind wirklich großartig und einprägsam. Besonders das Main Theme hat es mir angetan. Und das als Begrüßung das royale und namensgebende „Long Live the Queen“ gespielt wird, hat mir beim ersten Start doch ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Klar, es ist nur eine kurze Spielerei, und wenn man den Verlauf der Story kennt, kann man sich relativ gezielt auf die Wendepunkte vorbereiten. Aber die vielen Kombinationsmöglichkeiten geben einen super Wiederspielwert, und für das wenig Geld hat man ein paar echt schöne Stunden.

One Comment

  • Muh von Schaf

    Ein sehr großartiges Review zu einem kleinen Juwel in der Steamlandschaft, das als einzige Visual Novel sich direkt einen Weg in mein Herz gebahnt hat.
    Die vielen Screenshots erinnern mich an die Momente als ich meinem Freund über die Schulter schaute, um ihm bein Versagen zuzusehen *seufz* eine schöne Zeit.

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